Drei Monate in den Vereinten Staaten ermöglichten es mir nicht nur, zahlreiche persönliche Erfahrungen zu machen, sondern brachten auch die Chance mit sich, einige Eindrücke über die jüngsten Entwicklungen in der US-amerikanischen Lebensschutzbewegung zu sammeln. Diese können eine Ermutigung sein, die – wohl gerade von den deutschen Lebensschützern – dringend benötigt wird.
Ich denke vor allen Dingen an die 23-jährige Lila Rose und die von ihr im Alter von 15 Jahren gegründete Organisation „Live Action“. Mit dieser Organisation hat Rose dem weltweit größten Anbieter von Abtreibungen „Planned Parenthood“ (PP) im vergangenen Jahr einen empfindlichen Schlag versetzt: So haben sich neun Bundesstaaten nach zahlreichen Vorsprachen Roses bei führenden Politikern und Teilnahmen an diversen Talkshows, bei denen sie jeweils über die Arbeit von Planned Parenthood berichtete, dazu entschlossen, PP finanziell nicht länger zu unterstützen. Inhalte ihrer Stellungnahmen waren unter anderem die Enthüllung, dass PP den Missbrauch von Kindern deckt (http://liveaction.org/monalisa), sowie Spenden annimmt, die für die gezielte Tötung afro-amerikanischer Babies bestimmt sind (http://liveaction.org/planned-parenthood-racism-project). Mit der Entscheidung der besagten Bundesstaaten, PP keine Steuergelder mehr zukommen zu lassen, erhält PP statt der bislang mehr als 300 Mio. Steuergelder jährlich nunmehr 60 Mio. Dollar weniger (http://www.sba-list.org/ppfacts). Der persönlichen Einschätzung einer Mitarbeiterin von Live Action zufolge werde es vermutlich nur noch wenige Jahre dauern, bis PP gar keine staatliche Subventionierung mehr erhält. Um dieses Ziel möglichst zeitnah zu erreichen, hat Rose das Büro ihrer Organisation Anfang 2012 von der Westküste in das politische Zentrum der USA, nach Washington DC, verlegt. Fraglich ist, welche Auswirkungen diese Entwicklungen langfristig auf die deutsche Organisation pro familia haben, die sich auf der eigenen Homepage als Gründungsmitglied der Internationalen Planned Parenthood Federation ausweist (http://www.profamilia.de/pro-familia/profil.html).
Neben den Mitarbeitern von Live Action sind auch Mitglieder anderer Lebensschutzorganisationen sehr optimistisch gestimmt. Die Organisation „Generation Life“ beispielsweise (siehe Artikel „Jugend für das Leben Deutschland trifft Generation Life, USA – Ein Erfahrungsbericht“), deren Mitarbeiter durch Vorträge in Schulen, Universitäten und Kirchengemeinden jährlich mehr als 30.000 Menschen die Pro Life-Botschaft zugänglich machen, wächst unaufhaltsam: Bereits im vergangenen Jahr wurde eine Zweigstelle in New York eröffnet und schon kurz darauf haben drei weitere Bischöfe Interesse an weiteren Filialen in ihren Diözesen angemeldet. Von Erzbischof Dolan von New York ist das Team von Generation Life im vergangenen Jahr sogar als Ehrengast zum überfüllten Pro Life-Gottesdienst in die St. Patricks Kathedrale im Herzen New Yorks eingeladen worden. Und auch der neue Erzbischof Chaput von Philadelphia ist an einem Austausch mit Generation Life sehr interessiert. Als bekennender Lebensschützer hat er mit seiner vielfach beachteten Rede in der Universität von Philadelphia im vergangenen November ein deutliches Zeichen gesetzt und dabei auch eindringliche Worte nicht gescheut. In dieser Rede wies er unter anderem auf die Verantwortung eines jeden hin, sich in der Öffentlichkeit für den Lebensschutz aktiv einzusetzen – alles andere sei seines Erachtens nach ein Zeichen von Feigheit. Er ermutigte die Anwesenden, mit ihrem Leben Zeugnis zu geben und die Würde eines jeden zu verteidigen. Während dieser langen Rede (nachzulesen – in englischer Sprache – unter: http://www.thepublicdiscourse.com/2011/11/4256) und der anschließenden Diskussion trug Erzbischof Chaput einen ausdruckstarken Anstecker am Revers, auf dem „Ehemaliger Fetus“ geschrieben war.
Schon in der Priesterausbildung legt Erzbischof Chaput in seiner Diözese viel Wert darauf, die Priesteramtskandidaten für den Einsatz im Lebensschutz vorzubereiten. Nicht umsonst nahmen bei dem einmal jährlich kurz vor Weihnachten stattfindenden stets ausverkauften Pro Life-Dinner unter den insgesamt 1.500 Lebensschützern sämtliche Seminaristen der Diözese und ihre Ausbilder teil. Darüber hinaus stellt das Priesterseminar regelmäßig ihre Räumlichkeiten für Schulen zu Verfügung, die ihre Schüler für ein Engagement in der Lebensschutzbewegung vorbereiten wollen: Zu diesem Anlass reisen mehrere Hundert Schüler von verschiedenen Schulen der Umgebung an, um sich im Rahmen verschiedenster Vorträge fortbilden zu lassen.
Das Interesse insbesondere junger Menschen, sich im Lebensschutz einzubringen, wächst stetig. Diese Aufbruchsstimmung ist spürbar, wenn auch nicht einfach zu beschreiben. Wer sich selbst einmal einen Eindruck von dieser Aufbruchsstimmung machen möchte, dem ist das Video „The tide is turning“ (d.h. „Das Blatt wendet sich“) sehr zu empfehlen (http://www.youtube.com/watch?v=bjq2LK7Wqzw&feature=g-vrec&context=G2e864d1RVAAAAAAAAAg). Nicht nur Privatpersonen zeigen ein vermehrtes Interesse, sich aktiv in der Lebensschutzbewegung zu engagieren, auch immer mehr Schulen öffnen ihre Türen, um ihren Schülern die Pro Life-Botschaft nahezubringen. In Kirchengemeinden und in Gebetsgruppen beten die Gläubigen regelmäßig für einen umfassenderen Lebensschutz in ihrer Gesellschaft. In zahlreichen Kirchen liegen darüber hinaus entsprechende Flyer aus. Das Thema Abtreibung ist stetig präsent, selbst ihre Autos nutzen einige Lebensschützer als Werbefläche für das Leben – und das nicht nur in Form eines Stickers auf der Rückscheibe, sondern auch in Form eines Kurztextes auf dem Nummernschild.
Am 23. Januar diesen Jahres werden wie auch in den vergangenen Jahren wieder hunderttausende Lebensschützer in Washington DC im Rahmen ihres alljährlichen Marsches für das Leben auf die Straße gehen. Diese Dimensionen mögen hierzulande zunächst unwirklich anmuten, dennoch registriert man selbst aus der Entfernung jenseits des Atlantiks, dass die Lebensschutzbewegung in Europa ebenfalls in Bewegung ist. Die wachsende Anzahl von so genannten Märschen für das Leben innerhalb Europas und die zunehmende internationale Vernetzung der verschiedenen europäischen Lebensschutzorganisationen ist auch für sie Ermutigung und Ansporn zugleich. Immerhin werden beim Marsch für das Leben in Paris am 22.01. wieder mehr als 40.000 Teilnehmer aus einer Vielzahl verschiedener Länder erwartet.
Angesichts dieser beeindruckenden (internationalen) Entwicklungen dürfen wir also doch voller Optimismus und Tatendrang in das neue Jahr 2012 starten! Denn nicht nur die Lebensschutzbewegung in den Vereinigten Staaten wächst unaufhaltsam, auch in Europa ist sie nicht mehr zu stoppen!
Martina
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